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Berg Athos Der Athos In Nahaufnahme Titel

Begegnungen

Berg Athos

„Das haben wir uns ganz anders vorgestellt"

Bin gestern von Frankfurt nach Thessaloniki geflogen. Anestis, unser Partner vor Ort in Griechenland – mittlerweile ein Freund der Familie – holt mich am Flughafen ab. Wir fahren 2 Stunden nach Ouranoupolis, dem Ausgangshafen von Athos-Touren.

Im Hotel treffen wir unsere Freunde, mit denen Bettina bereits seit 4 Tagen unterwegs ist – gemeinsam mit Anna, unserer geliebten Reiseleiterin, die uns Griechenland, antik und aktuell, überaus kompetent und sympathisch nahe bringt.

Wir verbringen einen geselligen Abend im Hotel bei gutem Essen – und erhalten letzte Instruktionen zu unseren 3-tägigen Einkehr auf dem Athos.

Die Damen werden ein wenig neidisch – haben aber parallel ein attraktives Alternativ-Programm.

Wir Männer sind gespannt auf 3 Tage in einer anderen Welt: der einzigen Mönchsrepublik.

Tag 1


Im Kloster Agios Panteleimonas

08:30 Busfahrt vom Hotel nach Ouranoupolis

10 Minuten im Einreise-Büro: Visum bezahlt und erhalten

Fährticket gekauft

Cappuccino getrunken – auf Schiff gewartet

10:30 aufs Schiff – eine richtig große Fähre

10:45 Abfahrt. das Schiff hat Platz für ca. 30 LKW’s – waren auch 6 drauf, plus ca. 150-200 Passagiere, davon ca. 30-40 Mönche, wobei davon wenige „echte“ Athos-Mönche sind, die meisten kommen aus Ländern wie Russland, Ukraine, Bulgarien, Georgien . . . auf Pilgerfahrt zum Athos – wie wir.

wir sind aufs oberste Deck an der frischen Luft – bei ca. 25 Grad und einer frischen Brise

herrliche Blicke auf die grüne, blühende Bergwelt

der eigentliche Berg Athos mit seinem Kegelgipfel liegt ein klein-wenig im Dunst

ganz im Hintergrund hinter all den Bergketten


schöne Klöster vom Wasser aus zu sehen. Am größten steigen wir nach ca. 90 Min Fahrt aus

Wir laufen 5 Min vom Schiff in die Klosteranlage direkt zum Gästehaus

werden dort mit 1 Glas Scharfem Trester begrüßt, dazu Wasser, heißen Tee und Kekse

Wir sitzen im Empfangssaal an großen Holztischen zu je 10 Personen und warten auf die Schlüsselvergabe für unsere Zimmer

Luxus: Wir schlafen in DZ!

Stellen dann abends fest: ab 21:00 weder Licht noch Strom im Zimmer

nach Abladen unserer Rucksäcke auf dem Zimmer erhalten wir eine ganz spezielle Klosterführung: Wir treffen den Bibliothekar Ermolaos, der uns stolz und mit sympathisch-ansteckendem Humor durch sein Reich führt:

80.000 Bücher – in einem klimatisierten Raum, davon ca. 5.000 handschriftlich

die älteste Handschrift aus dem 8. Jh.

sein großer Stolz: das Original des ersten in „Times New Roman“ gedruckte Buch – vom Erfinder dieser Schrift

High-Tech Scanner, mit denen die Bücher aktuell alle elektronisch archiviert werden – 1.500 Terra-Byte Speicherplatz!

eine bestens ausgerüstete Werkstatt zur Instandsetzung und Restaurierung beschädigter Bücher

Das Kloster hatte vor 100 Jahren mehr als 8.000 Bewohner, davon ca. 2.000 Mönche – vor 20 Jahren waren es gerade 10 Mönche!

heute sind es wieder ca. 100

das Kloster war verfallen, die Bücher auf viele Gebäude verteilt, einige Exemplare von Ratten angefressen

bei dem was wir heute zu sehen bekommen: Ein enormer Kraftakt für die systematische Katalogisierung – Ermolaos kann zu Recht stolz sein auf seine Leistung

wir sind nach 1 1/2 Std sprachlos: Wir haben dank seiner fesselnden Erzählung das Mittagessen verpasst!

Spaziergang durch die Klosteranlage – immer mit Blick aufs Meer

17:00 Gottesdienst – in einer von ca. 40 Kirchen und Kapellen im Kloster. Der für diesen Gottesdienst genutzte, reich mit Ikonen und Deckengemälden geschmückte Kirchenraum ist viel zu klein – mehr als die Hälfte der Besucher steht, auch einige draußen vor der Tür

schade: auch Anestis versteht kaum etwas, denn der Gottesdienst ist auf Russisch.

er hört den Namen Bartholomäus insgesamt vielleicht vier Mal während der Predigt (das Orthodoxe Oberhaupt in Konstantinopel – quasi: der orthodoxe Papst) – dafür findet der Moskauer Patriarch Kyrill eine Häufigkeit an Erwähnung, die seiner Stellung in der orthodoxen Kirchen-Hierarchie nicht entspricht

18:00 Abendessen: Köstliche Bohnen-Gemüse-Suppe, dunkle Scheiben Brot mit Anissamen, in Essig eingelegte, grüne Tomaten, Schwarze Oliven, Wasser oder Tee zu trinken – Alles im großen Speisesaal für Pilger – aus silbernen Blech-Tellern und Krügen

nochmal einen Spaziergang am Ufer, wir freuen uns auf einen spektakulären Sonnenuntergang, und wirklich: als die Sonne weg ist – wir sehen den Olymp am nördlichen Horizont! und hinter hohen Bergen den letzten Zipfel vom Athos-Gipfel – mit eingesprenkelten Schneeresten – als hätte der Bergzahn Karies . . .

kein Licht im Zimmer – schnell kehrt Ruhe ein . . .

2. Tag

Die sternenklare Nacht war nicht wirklich ruhig:

02:30 Ruf zum ersten Gottesdienst: ein Mönch läuft durch die Flure, hat eine Glocke dabei . . . wir bleiben in den Betten, drehen uns nochmal rum.

03:30 Andreas trifft Dietmar auf dem Balkon – denkt es ist bereits Zeit zum Aufstehen. Er hat weder Uhr nich Handy dabei – ist aus der Zeit gefallen, legt sich aber gerne nochmal schlafen.

05:30 das Handy von Anestis klingelt. Ein Kunde fragt nach seinem Flughafentransfer. Mit 2 weiteren Telefonaten ist das Problem gelöst. Jetzt nochmal einschlafen? Da geht die Wandlampe unvermittelt an und leuchtet . . .

um 06:00 Uhr wird der Strom wieder eingeschaltet!

Wird es Warmwasser geben? schwierige Entscheidung: Duschen ja/nein? Aber bei dem wenigen Schlaf: garantiert wach!

Morgengottesdienst bis 07:30 – schade, dass wir so gar nichts verstehen.

anschließend Frühstück – im selben Saal wie gestern Abend, aber diesmal gemeinsam mit den Mönchen. Bereits portioniert am Platz: Eine Schale mit Kräuter-Ei-Auflauf an Krautsalat – gar nicht schlecht. Dazu warmen Kakao, Brot und Marmelade. Während des Frühstücks wird nicht gesprochen – denn: Ein Mönch liest vor

i.d.R. geht es um den Heiligen, der dem Tag den Namen gegeben hat. Schluß ist, wenn der Abt der Meinung ist, dass das Thema ausreichend behandelt ist – dann klingelt die Glocke, und Alle stehen auf. „Gute Geister“ kümmern sich um das Geschirr – das ist nicht unsere Aufgabe.


gegen 08:00 haben wir Zeit, bis uns das selbe Boot wie gestern gegen Mittag mitnimmt zur nächsten Etappe. Nach 15 Min Fahrt gehen wir in Daphne von Bord, fahren mit 70 Personen in einem 50er Bus vom Haupthafen des Athos in die Hauptstadt: Karies – nach vielen Serpentinen, durch einen dichten Wald, immer wieder Bäche, die den Weg queren, mal Schotterpiste, aber auch Abschnitte, die betoniert sind.

Nach gefühlten 30 Min steigen wir aus – in 20 Min geht’s weiter mit einem 15-Sitzer quer über die Halbinsel ans andere Ende ins Kloster Megisti Lavra, direkt unterhalb des Athos gelegen. In 1 1/2 Std Fahrt atemberaubende Blicke mal auf die Steilküste, mal auf die Schneereste auf dem Athos, vorbei an gerade mit der Blüte fertigen Maronenbäumen.

Auch hier werden wir im Begrüßungsraum mit einem Kräftigen Schnaps Willkommen geheißen, dazu einen griechischen Mokka, einem frischen Glas Wasser und einem großen Stück nach Rosenwasser schmeckendem türkischen Honig.


Heute übernachten wir mit 11 Männern in einem Schlafsaal. Es liegt ein Bettuch auf der Matratze, ein weiteres noch zusammengefaltet darauf – und ca. 2 Dutzend Decken im Zimmer, die jeder von uns abends auf das zweite Bettuch legen – erstaunlich wärmend.

Um 17:00 ist Gottesdienst – aus allen Ecken des Klosters strömen ganz in schwarz gekleidete Männer mit ihrer auffälligen Kopfbedeckung, meist ein schwarzes, hüft-langes Tuch über einem „Fes“, ihren je nach Alter eher schwarzen oder weißen „Rausche- Bärten“ und gehen in die Kirche. Dabei sind nur wenige pünktlich, viele haben ihren „eigenen Auftritt“ – es ist ein ständiges Kommen und Gehen (bei uns undenkbar). Beim reinkommen werden zunächst ausführlich mindestens ein halbes Dutzend Ikonen geküsst – bei den wichtigeren werden nicht nur 2 Kreuze gemacht, sondern gerne auch mal 3 oder 4. Dann sucht sich der Mönch seinen Platz in der Kirche – offensichtlich gibt es keine festen Plätze. Nur die Frühmorgen-Gottesdienste sind lang – oft über 3 Stunden.

Vor dem Abendessen tut es auch eine Stunde. Jetzt wird die Glocke geläutet, kurz – aber häftig. Jeder weiß: jetzt gibt es Abendessen. Direkt gegenüber der Kirche: das Refektorium. Ehrfürchtig wird der Auszug der Mönche aus der Kirche abgewartet, bevor auch die Pilger zum Essen schreiten dürfen.

Wir sitzen zu Acht im U-Format um eine Marmorplatte – der Tisch ist auch hier bereits gedeckt. Die Speisen beteits wieder im Blech-Geschirr portioniert und angerichtet: Risotto mit Muscheln, intensiver, fester, bröseliger Ziegenkäse, eine Schale mit Brotscheiben (frisch!), ein Kännchen sehr schmackhaftes Olivenöl und eine Karaffe Rotwein – zumindest sieht er so aus, schmeckt aber eher nach Essig.

Die Vorlese-Zeremonie dauert lange genug, um auch die Orange zu schälen und als Nachtisch zu genießen.

Auch der Auszug aus dem Refektorium wird von den Mönchen angeführt: Sie sitzen vorne, laufen also im Spalier der Pilger nach draußen. Ich stehe vorne in der ersten Reihe – und kann nicht anders: es weht mir in die Nase . . . der den meisten Mönchen eigene Geruch stammt nicht von der häufigen Nutzung von Seife oder Shampoos.

Um 20:15 Uhr ist Umschluß – wir gehen lieber rechtzeitig ins Zimmer – es ist noch arg frisch draußen nachts.

Jürgen hat im Duty Free einen exzellenten Whisky erworben – der macht jetzt die Runde. Es wird noch länger als 1 Std zwischen Bett und Bett erzählt – sehr gesittete Lautstärke.

So gegen 21:30 wird einvernehmlich das Licht ausgemacht und es werden die ersten Sägen ausgepackt – Christian verteilt seine Packung Oro-Pax . . .

3.Tag

die Nacht war für die Meisten eine Erinnerung an alte Zeiten: mit 11 Mann auf einer Stube! Eine ungewohnte Geräuschkulisse . . .

Überraschung am Morgen: Warmes Wasser in den beiden Duschen für die ca. 70 Schlafplätze

„unser“ Kloster liegt oberhalb der steilen Ostküste: Herrlicher Sonnenaufgang um 06:15


um 06:45, vor dem Frühstück, geht der Bus zurück in die Hauptstadt Karies

der Bäcker hat frische, knusprige, warme, Köstlichkeiten zum Frühstück

wir schlendern durch die Gassen: ein ständiges Kommen und gehen -Karies selbst ist ein Verteilerpunkt vieler Busse, die zu den Klöstern fahren

nach 2 Stunden fahren wir nach Daphne – dem Haupthafen vom Athos. Dort haben wir knapp 2 Stunden Aufenthalt.

Bei einem Becher Kaffee verarbeiten wir die letzten 48 Stunden: was hat der Athos mit uns gemacht? Haben wir uns verändert? Zumindest haben wir Alle eins gemeinsam: Einen 3-Tage-Bart.

Die Damen nehmen uns in Ouranopolis wieder in Empfang – sind neugierig, was wir zu Erzählen haben

nun kenne ich 2 von 22 Klöstern: Ganz sicher – ich werde wiederkommen, es gibt hier noch viel zu entdecken

Und nun gilt es umzuschalten:

vom Athos nach Tirana: ca. 800 km Autofahrt liegen vor uns – denn: am Samstag landen 16 Teilnehmer für unsere Albanien-InfoReise am Mutter-Theresa-Flughafen.

auf dem Weg dorthin organisiert Anestis auf der Athos-Fähre noch schnell 2 Transfers: einen orthodoxen Priester nach Kavala, zurück in seine Gemeinde, gemeinsam mit unserer Gruppe im Bus, und einen zypriotischen Priester, der von Thessaloniki zurückfliegt. Er fährt in Anestis Auto mit, und wird ebenso vorzüglich von Eleni bewirtet wie wir: Anestis Frau ist nicht nur spontan, sondern auch eine gute Köchin und charmante Gastgeberin!

um 18:30 sitzen wir – Evi aus dem Büro von Anestis ist dazugestoßen – wieder im Auto: noch 600 km vor uns.

um 22:00 Uhr an der albanischen Grenze, stellen wir fest: Hurra! Wir bekommen 1 Std geschenkt. Von dort fahren wir zu Viert weiter: Dori wird uns die 6 Tage in Albanien begleiten – als gute Seele im Hintergrund. Sie wird uns mit ihrer Muttersprache sicherlich sehr behilflich sein.

um 01:00 etwas verknittert im Hotel eingeschlafen.

Konnten wir Ihr Interesse wecken?

Dürfen wir Ihnen bei der Organisation Ihrer Gruppenreise helfen, oder haben Sie unendlich viele weitere Fragen? Dann zögern Sie nicht, wir freuen uns auf Sie!

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